LAZ Easy: Mein erstes freies Softwareprojekt

Schräger Bildausschnitt von Codezeilen auf einem Bildschirm

Ich habe mir das Programmieren selbst beigebracht. Seit langem programmiere ich kleine Tools, die mir meinen Alltag erleichtern – und heute habe ich zum ersten Mal eins meiner Projekte öffentlich verfügbar gemacht: LAZ Easy, ein Übungsprogramm für das Leistungsabzeichen der Feuerwehr Baden-Württemberg.

Neue Aufgaben fürs Leistungsabzeichen üben – aber wie?

Als ich vor zwei Jahren das Leistungsabzeichen in Gold gemacht habe, gehörte dazu ein schriftlicher Test. Die Feuerwehr Eppingen hatte dafür eine Android-App erstellt, die die möglichen Fragen enthielt und mit der ich so lange geübt habe, bis ich sicher alle richtigen Antworten kannte.

Dieses Jahr aber wurden neue Richtlinien für das Leistungsabzeichen in Baden-Württemberg ausgegeben. Jetzt gibt es keinen schriftlichen Test mehr, sondern Wissensfragen, die in einigen Modulen abgefragt werden: Wie buchstabiert man Pikrinsäure? Wo im Fahrzeug befindet sich der Zumischer? Was bedeutet die Gefahrenziffer 3? Wofür steht der vollflächig blaue Gefahrzettel? Dafür gibt es noch keine App.

Ich fand die App damals so hilfreich, dass ich mich entschlossen habe, selbst etwas zu veröffentlichen. Statt einer App wollte ich eine Webseite, eine „Web-App“ schreiben, damit sie auf möglichst allen Geräten einschließlich Computern läuft. Einfach sollte sie sein, ohne Frameworks oder zu installierende Bibliotheken. Mein Ziel war einfach, den Kameradinnen und Kameraden, die ich für Gold trainiere, ein einfaches Hilfsmittel an die Hand zu geben – ob sie es dann benutzen, ist ihre Sache.

Aber warum eigentlich nur ihnen? Und mit diesem Gedanken war die Idee geboren, zum ersten Mal ein Projekt öffentlich zur Verfügung zu stellen. Dass ich es auf Codeberg veröffentlichen wollte, stand fest: Github ist zwar bekannter, aber es gehört Microsoft. Codeberg hingegen ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Europa, der auf der freien Software Forgejo basiert. Der Fokus liegt auf Datenschutz, Transparenz und der Unterstützung freier Softwareprojekte. Es gibt keine Werbung, kein Tracking durch Dritte und keine Konzerninteressen im Hintergrund. Funktional bietet Codeberg vieles, was man von GitHub kennt (Repository-Hosting, Issues, Pull Requests, Wikis, Releases), setzt aber bewusst auf ein schlankeres, community-orientiertes Angebot. Genau nach meinem Geschmack!

Die Idee ist da – vor zum Programmieren!

Fürs Programmieren hatte ich sehr wenig Zeit. Die Idee kam mir bei der ersten Übung fürs goldene Leistungsabzeichen, für die „meine“ Gruppe sich traf. Es waren nur wenige Tage bis zur nächsten Übung – jetzt oder nie!

Bei der Arbeit habe ich inzwischen viel über KI und deren korrekte Nutzung gelernt. Ich setzte mich also an den Computer und beschrieb meine Projektidee so genau wie möglich, forderte dann die KI auf, in ihrer Rolle als erfahrene Softwareentwicklerin drüberzulesen, Fragen zu stellen, Unklarheiten zu beseitigen und mich auf Fehler hinzuweisen. Im Dialog mit der KI entstand so eine Spezifikation, die sich sehr gut las. Den ersten Entwurf habe ich ebenfalls mit KI-Unterstützung geschaffen und dann weiter daran verfeinert, bis die Seite meinen Anforderungen entsprach – und sie hier auf einer Subdomain hochgeladen. Für „meine“ Gruppe.

Hochladen des Repositorys

Nun kam aber der für mich ganz neue Teil: Das Verfügbarmachen des Quellcodes in einem Repository. Zuerst ließ ich die KI eine Dokumentation erstellen, damit andere Entwickler*innen leicht nachvollziehen können, was wo passiert und warum ich das eine oder andere so und nicht anders gelöst habe. Ich habe die Orte, an denen sich die geprüften Geräte im von uns verwendeten Fahrzeug befinden, aus dem öffentlichen Repository gelöscht und durch Platzhalter ersetzt, in der README erklärt, wie man die eigenen Geräte hinzufügen kann.

Und dann wies mich die KI auf einen Punkt hin, den ich bis dahin gar nicht auf dem Schirm hatte: Ich muss die Lizenz angeben, unter der ich meinen Code veröffentlichen will.

Ich bin ein bekennender Fan freier Software. Insofern war klar, dass auch mein Code frei sein sollte. Ich wollte aber sicherstellen, dass niemand ihn nimmt, weiterverarbeitet und dann proprietär verkauft. Also habe ich mich nach einigen Recherchen für die Lizenz AGPL-3.0 (GNU Affero General Public License Version 3) entschieden, eine sogenannte „Copyleft“-Lizenz für Freie Software. Sie erlaubt ausdrücklich, meine Software kostenlos oder kommerziell zu nutzen, zu verändern und weiterzuverbreiten – stellt aber sicher, dass daraus entstehende Weiterentwicklungen ebenfalls wieder unter einer freien Lizenz verfügbar sein müssen. Diese Lizenz schützt also genau das, worauf es mir ankommt, die Freiheit der Nutzenden, und sorgt dafür, dass Verbesserungennicht hinter geschlossenen Türen verschwinden, sondern der Allgemeinheit zugutekommen.

Tja, und nun ist die Software in die Freiheit entlassen. Ich bin ehrlich gespannt, ob jemand sie nutzt. Ob ich es je erfahre? Ich würde mich freuen 🙂

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