Abenteuer auf dem Bodensee!

Am Samstag sahen Tobi und ich bei einem Bad im See Leute, die aufblasbare Kajaks fuhren, und bekamen Lust, auch mal Kajak zu fahren. Am Sonntagmorgen war gutes Wetter, also machten wir uns auf den Weg nach Hegne an den Campingplatz, um dort ein Kajak auszuleihen. Als hätten wir geahnt, was geschehen könnte, hatten wir uns aller Dinge, die nicht nass werden sollten, entledigt. All diese Dinge lagen im Auto, und der Schlüssel hing sicher in einer mehr oder minder wasserdichten Box um meinen Hals.

Wir bekamen also unser Kajak. Der Mann bei der Ausgabe erklärte, welche Markierungen das Naturschutzgebiet oder Schwimmbereiche kennzeichnen, und wies uns darauf hin, dass wir die Sturmwarnungslichter beachten müssten. Dann überließ er uns und das Kajak uns selbst und es ging los!

Nachdem wir es geschafft hatten, ohne umzukippen einzusteigen, fuhren wir von Hegne aus am Rand des Naturschutzgebiets in Richtung Reichenau — eine sehr schöne Strecke (siehe Tourenvorschlag). Es machte unglaublich viel Spaß: wir glitten, obwohl wir noch nie Kajak gefahren waren und daher noch keinen gemeinsamen Paddelrhythmus gefunden hatten, überraschend schnell über die glatte Wasseroberfläche und konnten, da das Hegner Ufer zunächst sehr flach in den See ausläuft, den Seeboden sehen. Das mit dem Lenken war ein bisschen kompliziert, aber dennoch war es wirklich toll!

Als wir fast die halbe Strecke hinter uns gebracht hatten, sahen wir am westlichen Horizont einen schwarzen Streifen aufziehen. Er war noch weit weg, aber wir behielten ihn natürlich im Auge, und als er näher zu kommen schien, beschlossen wir, doch nicht ganz bis zur Reichenau hinüber zu fahren, sondern lieber umzukehren und dann in Ufernähe weiterzupaddeln, falls da wirklich ein Sturm aufzöge. Die Warnleuchten waren nicht angeschaltet, aber sicher ist sicher. Wir drehten also um und paddelten zurück, dabei kämpften wir, wie zuvor, immer mal wieder mit der Strömung, die uns auf den See hinausziehen wollte.

Die schwarze Wolkenfront kam aber unglaublich schnell immer näher. Man konnte inzwischen erkennen, dass auch starker Regen mit aufzog. Als dieser das westliche Seeende erreicht hatte, gingen auch die Sturmwarnleuchten an — wahnsinnig früh, wenn ihr mich fragt … das Unwetter hatte man schon ohne die Leuchten längst entdeckt! Uns wurde es etwas mulmig zumute, waren wir doch immer noch gut 200 m vom Ufer entfernt, und wir legten uns ins Zeug, dort noch anzukommen. Die gegen uns spielende Strömung wurde jetzt jedoch auch noch von immer stärker werdendem Wind unterstützt, der auch die Wellen immer höher werden ließ, und auch der Regen erreichte uns nur allzu bald. Als ich dann hinter der Reichnau einen Blitz am Himmel sah, bekamen wir es wirklich mit der Angst zu tun. Wir haben auch keine zwei Minuten mehr durchgehalten — eine ziemlich hohe Welle ließ uns kentern.

Habt ihr von dem Unwetter am Sonntag gehört, das über den Bodensee hinwegzog? Wir waren da mittendrin. Mitten im See, neben einem umgekippten Kajak. Wir hatten aber sehr viel Glück: inzwischen waren wir nur ca. 50 m vom Ufer entfernt, und da dieses bei Hegne so flach ausläuft, konnten wir schon stehen und das Wasser war so warm, dass die völlige Durchweichung unserer Kleidung keinerlei Problem darstellte (ich will mir gar nicht vorstellen, wie das in kälterem Wasser gewesen wäre, trotz der möglicherweise wärmenden Schwimmwesten, die wir trugen). Wir schnappten uns also das Kajak und liefen in Richtung Ufer — mir stand das Wasser bis zum Hals, Tobi bis zur Brust, und der Wind und die Wellen drückten weiterhin uns und das Kajak zur Seite. Gott sei Dank waren wir zur zweit mit nur einem Kajak: Tobi stand, aus meiner Sicht vom hinteren Kajakende aus zumindest, fest wie ein Fels in den Wellen und schob sich langsam in Richtung Ufer, während ich zwar am Kajak schob, aber zu Beginn nur hinterherhopste, um den Kopf über den inzwischen ziemlich hohen Wellen zu halten zu können. Zweimal wäre ich fast weggespült worden, hätte ich mich nicht am Kajak, das von Tobi so sicher gehalten wurde, festklammern können. Aber Schritt für Schritt näherten wir uns dem Ufer und schafften es an Land, schoben das vom Wasser schwere Kajak so weit wie möglich auf den Strand und flüchteten uns in ein Gebäude des Campingplatzes.

Dort trafen wir auch den Mann, der uns das Kajak verliehen hatte. Er war froh, uns am Ufer zu sehen, und fragte zunächst leicht missbilligend, ob wir denn nicht auf die Sturmwarnlichter geachtet hätten. Unsere Aussage, dass die erst ansprangen, als das Unwetter schon da und wir fast wieder zurück waren, veranlasste ihn zu einem verärgerten Kopfschütteln und dem Satz: „Seit die Stuttgarter die Kontrolle über die Sturmwarnleuchten haben, kann man die vergessen, die gehen viel zu spät an!“. Wenn das der Fall ist, würde ich mir doch wünschen, dass man die Kontrolle wieder irgendwo an den See setzt … als später im Radio berichtet wurde, dass zwei Dutzend Segelschiffe auf dem See in Seenot geraten waren, weil sie trotz Sturmwarnung draußen gewesen seien, ärgerte ich mich richtig: die hatten diese ultrakurze „Vorwarnzeit“ sicherlich genauso wenig nutzen können wie wir!

Fazit der Geschichte: wir haben da ein richtiges Abenteuer erlebt auf dem See! Im Nachhinein war es toll, denn es ist uns ja nichts passiert (abgesehen von Tobis blauen Zehen: einen Meter vor dem Ufer stieß er gegen einen Stein und wurde von dem gefällt). Wir sind klatschnass mit voll aufgedrehter Heizung im Auto nach Hause gefahren, haben geduscht und erst mal eine Runde gedöst — das waren die anstrengendsten 50 m unseres Lebens! 🙂 Dennoch: wir wollen wieder Kajak fahren! Abgesehen von dem Unwetter war das nämlich wirklich toll!

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