Wissenschaftliche Konferenzen — diesmal als Aussteller

Ich habe in meiner wissenschaftlichen Karriere schon an einigen Konferenzen teilgenommen, mir Vorträge angehört, Leute getroffen und natürlich auch mal bei den Ausstellern halt gemacht, um zu sehen, was für kostenlose Gimmicks es gibt und mich zu informieren, ob diese Firmen vielleicht etwas verkaufen, das meine Arbeit erleichtert. Jetzt arbeite ich ja für eine Firma, und diesen März war es soweit: meine ersten Konferenzen auf der anderen Seite des Ausstellertisches fingen an!

Ich war auf der Osteologie-Konferenz in Weimar als wissenschaftlicher Teilnehmer angemeldet, was bedeutete, dass ich meine verkaufs- und beratungserfahrenen Kollegen am Stand zurücklassen durfte, während ich mir die Vorträge anhörte. Es war, wie immer, sehr interessant, die Vorträge zu den verschiedenen Ansätzen und Ergebnissen anzuhören. Neu war, dass ich natürlich immer im Hinterkopf behielt: Können wir dem Vortragenden etwas anbieten, das ihn interessieren könnte? Ich machte mir die üblichen Vortragsnotizen sowie einige Anmerkungen, welches unserer Produkte von Interesse sein könnte, und — ganz neu — versuchte mir zu merken, wie diese Leute aussahen, damit ich sie nach dem Vortrag auch ansprechen konnte. Das tat ich in den Pausen dann auch — einerseits befragte ich sie zu Daten, die mich näher interessierten (ich werde immer Wissenschaftler bleiben, Wissenschaft ist einfach spannend), des weiteren erklärte ich, dass ich mit einer Firma hier sei und welche Produkte wir vertreiben — ob diese nicht eventuell interessante Parameter abgeben könnten. Oft waren die Leute tatsächlich neugierig, und ich konnte sie mit an den Stand nehmen und den fähigen Händen meiner Kollegin überlassen, einer Wissenschaftlerin, die unsere Produktpalette sowie deren Anwendungen in- und auswendig kennt. Ich bin leider noch lange nicht so weit, den Leuten derartig genaue Informationen geben zu können — irgendwann will ich das aber natürlich auch können!

Auf der Osteologie besuchte ich auch die Posterausstellung mit dem Vorsatz, mich mit den Posterautoren zu unterhalten. Hier wurde ich allerdings herb enttäuscht: die Poster auf der Osteologie hingen, mit wenigen Ausnahmen, einfach nur herrenlos herum und warteten auf “ihre fünf Minuten”: es wurden Posterbegehungen organisiert, bei denen ein älterer Professor herumging, halbmotivierte Fragen stellte, jedesmal das schöne Poster lobte und weiter zum nächsten ging. Man konnte sich dem Pulk um ihn herum anschließen, an eigene ausführliche Fragen oder gar Gespräche mit den Autoren war leider nicht zu denken. Des Weiteren verschwanden die Autoren sofort im Pulk oder sogar ganz im Kongressgebäude, wenn sie ihre fünf Minuten gehabt hatten. Ich fand das wirklich furchtbar — wenn ich ein Poster vorstelle, will ich doch auch mit der restlichen Fachwelt über meine Ergebnisse sprechen, oder etwa nicht?

Die zweite Konferenz, die ich besuchen durfte, war das 37. Nephrologische Seminar in Heidelberg. Wir hatten keinen Stand, ich habe nur mit Kollegen die Vorträge besucht und sehr sehr viel über die Niere gelernt (mein Vorwissen beschränkte sich ja quasi auf ihre Existenz sowie Grundfunktion). Zu diesem Kongress und den Ausstellern habe ich aber auch etwas zu sagen: unfassbar. Ich habe ja schon viel von den berühmten Medizinerkongressen gehört, mit Leckereien und teuren Gimmicks, aber gesehen habe ich das jetzt zum ersten Mal! Leute, was es da an Kleinigkeiten an quasi jeder zweiten Ecke zu essen gab, was absolut phantastisch, sowas habe ich auf einem Nicht-rein-Mediziner-Kongress noch nie erlebt. Lecker. Und die Leute an den Ständen hatten jede Menge toller Dinge dabei, von Decken über Nackenhörnchen bis hin zu Zitronenpressen und Teddybären. Und das alles haben die, sinnbildlich gesprochen, mit vollen Händen in die Menge geworfen. Die Stände waren quasi nur als Ablage für die Dinger da — ich habe so gut wie nie jemanden gesehen, der auch mal mit den Ausstellern am Stand gesprochen hat, die Leute liefen nur vorbei, griffen sich eine Decke und waren schon wieder in der Menge abgetaucht. Wenn man die Leute am Stand dann mal was gefragt hat (ich war mal wieder neugierig), waren sie erst überrascht, dann erfreut über die Ablenkung, aber haben mit keinem Wort (!) ihre Produkte beschrieben oder gar versucht, herauszufinden, ob ich mich dafür interessieren könnte. In meinen Augen war diese Konferenz ausschließlich für das Image der Firmen gut, kann aber kaum zum Verkauf irgendwelcher Produkte beigetragen haben.

Ich freue mich schon auf die nächsten Konferenzen — ich bin sehr froh, dass ich einen Job habe, in dem ich immer noch in so engem Kontakt mit der Wissenschaft stehe. Ich glaube, ich wäre ohne sie wirklich unglücklich, aber mein Job verhindert das effektiv :-)

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One Response to Wissenschaftliche Konferenzen — diesmal als Aussteller

  1. Manu says:

    Hey,
    mir geht’s genauso. Obwohl Tagungen als Austeller und Sponsor extrem anstrengend sein können, freu ich mich trotzdem auf jede einzelne. Allerdings rückt der wissenschaftliche Teil immer mehr in den Hintergrund. Es sind immer die gleichen Leute, die Vorträge halten zu immer denselben Themen. Gute Wissenschaft braucht (leider) mehr Zeit als zwischen zwei Fachtagungen zur Verfügung steht… Deshalb gibt’s auch nicht so viele Highlights bei den Vorträgen und Postern.
    Aber das “Networking” – persönlich wie für die Firma – macht trotzdem viel Spaß, und es entwickeln sich immer wieder durchaus interessante wissenschaftliche Gespräche!

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