Musee Rodin

In meinem letzten Monat in Paris habe ich viel unternommen und angeschaut. An einem schönen Oktobertag wollte ich das Musee Rodin besuchen — zu meiner Freude stellte ich fest, dass der Eintritt an diesem Tag kostenlos war. Die lange Schlange vor dem Museum selbst hielt mich von einem Besuch dort drinnen jedoch ab, ich hielt mich an den Garten und entdeckte wunderbare Skulpturen.

Es handelt sich um einen typisch französischen Garten: gerade Wege, in geometrischen Figuren angelegte Rasenflächen und viele symmetrisch geschnittene Sträucher. Doch es ist nicht so langweilig wie es sich anhört: oft sind es Rosensträucher, die die Wege säumen, die selbst im Oktober noch mit ihren wundervollen Blüten um die Bewunderung der Besucher wetteiferten, und zwischen den Pflanzen stehen überall Rodins Skulpturen. Diese Skulpturen sind eine wahre Pracht! Sie wirken nur grob bearbeitet, doch es steckt wirklich viel Ausdruck in ihnen — oft sieht man schon allein an der Körperhaltung, was die dargestellte Person empfindet. Es gibt aber auch regelmäßig Statuen, bei denen ich einfach nicht weiß, was Rodin uns damit zeigen wollte. Einfach faszinierend.

Die Statuen stehen draußen im Freien, auch der berühmte Denker, von dem eine Kopie zwischen den Gleisen der Metrostation Varenne steht. Es scheint ihnen überhaupt nicht zu schaden, im Gegenteil — es macht die Figuren noch … wie soll ich sagen? Sie sehen irgendwie „echt“ aus, nicht so künstlich wie normale Museumsstücke. Es verleiht ihnen einen gewissen Charme.

Je weiter man nach hinten in den Garten geht, am Café vorbei, in dem es teure Kleinigkeiten wie Muffins etc. gibt, desto schöner wird der Garten meiner Meinung nach. Am scheinbaren Ende des Gartens, einem künstlichen Teich vor einer Wand aus Büschen, gibt es links und rechts Durchgänge, die zu einem zwar kleinen, aber völlig „unfranzösischen“ Gartenteil führen: einem Spielplatz mit Bänken, auf denen man sich mit einem guten Buch eine schöne halbe Stunde machen kann.

Auf dem Weg zurück zum Haupttor kam ich an einigen Tafeln vorbei, die die Geschichte des Musee Rodin erzählen. Rodin zog in ein Zimmer des Hauses (es heißt Hôtel Biron) ein, zu dem ein völlig verwilderter Garten gehörte, den er sehr schön fand. Unter anderem schrieb er seinem Brieffreund Rainer Maria Rilke, wie schön es dort sei, was wohl dazu führte, dass dieser ebenfalls für eine Weile dort einzog. Rodin nahm nach und nach immer mehr Zimmer des Hauses für sich in Beschlag, bis es ihm eines Tages ganz gehörte. Irgendwann, bereits im fortgeschrittenen Altern, verhandelte er dann mit dem französischen Staat und gelangte nach wohl recht heftigem Ringen zu folgender Übereinkunft: er schenkte das Haus, den Garten sowie sein Werk dem französischen Staat, und der versprach dafür, es in seinem Zustand zu belassen und ein Museum zu errichten. Ich freue mich, dass das gelungen ist — ich kann einen Besuch des Museumsgartens an einem schönen Tag wärmstens empfehlen. Infos wie Öffnungszeiten und Eintrittspreise findet ihr auf der Homepage des Museums.

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