14. Juli 2012 — der französische Nationalfeiertag

Wie jedes Jahr feierten die Franzosen am 14. Juli ihren Nationalfeiertag, und ich hatte das Glück, dafür in Paris zu sein. Die Stadt putzt sich für diesen Tag stets heraus — nicht, dass alles wortwörtlich sauberer als sonst wäre, aber an jedem öffentlichen Gebäude hängt mindestens eine Trikolore, die Busse sind beflaggt und auch Nichtregierungsgebäude schmücken sich oft in den französischen Nationalfarben.

Bevor ich mit der Beschreibung des Tages hier in Paris beginne, eine kleine Information, die mich überrascht hat: am Nationalfeiertag wird gar nicht, wie ich geglaubt hatte, der Sturm auf die Bastille gefeiert, sondern vielmehr der erste Jahrestag des Sturms auf die Bastille, an dem das sogenannte Föderationsfest stattfand. An diesem Tag schwor König Louis der XVI. feierlich seinen Eid auf die Verfassung. Wieder was gelernt — jetzt aber zum 14. Juli 2012!

Der Tag begann mit der Militärparade an den Champs-Elysées. Dieses Jahr war ich nicht dort, denn am Straßenrand sieht man nicht so viel wie im Fernsehen und ich hatte zugegebenermaßen verschlafen und wäre nicht rechtzeitig an einer Stelle angekommen, die noch nicht von Zuschauern verstopft gewesen wäre und man dennoch eine halbwegs gute Sicht gehabt hätte. France 2 übertrug einen Livestream ins Internet, in dessen Vorberichtszeit ich beobachtete, wie verschiedenste Ministerinnen eintrafen und alle Welt küssen mussten bzw. wie die verschiedenen Minister eintrafen und sich die Hände gaben bzw. die Damen küssten. Während die französische Sitte des „bisous“ geben im Alltag ja irgendwann kaum noch auffällt, immerhin kennt man die Leute, die einem da an der Backe hängen, ist es doch seltsam, das bei großen offiziellen Veranstaltungen zu beobachten.
Nachdem der Präsident eingetroffen und in einem Jeep an den angetretenen Truppen vorbei gefahren war, ging es los. Eine kleine Anekdote hierzu: zur Eröffnung hielt eine französische Prominente, eine Komödiantin, wenn ich es richtig verstanden habe, eine Rede vor dem Präsidenten. Wikipedia lehrt uns, dass es zum Föderationsfest damals den ganzen Tag geregnet hat, und sie hat das zum Anlass genommen, den Nieselregen diesen Jahres mit den Worten zu kommentieren: „… am heutigen Tage, an dem es, wie uns die Geschichte lehrt, schon immer geregnet hat, …“ 🙂

Ich verstehe nichts vom Militär, aber die Präzision, mit der die verschiedenen Truppenteile (dazu gehört in Frankreich auch die Polizei und die Feuerwehr, wie es scheint, denn sie marschieren mit) ihre Marschordnung und -route einhielten, beeindruckte mich. Doch während ich dem Aufmarsch der Soldaten noch mit Staunen zusah, hatte ich bei der Passage der Militärfahrzeuge, wie letztes Jahr, ein mulmiges Gefühl in der Magengegend — es ist etwas ganz anderes, diese Mordmaschinen zu sehen als nur zu wissen, dass sie existieren. Dasselbe gilt für die Militärflugzeuge, wenn auch aus einem anderen Grund — sie fliegen 150 m über dem Boden über Paris und vollführen dabei oft Kunststücke wie Überkopfflug usw. — allein der Gedanke, was geschähe, wenn einer in die Hauptstadt stürzen würde, jagt mir kalte Schauer den Rücken hinunter.
Beendet wurde die Militärparade mit vier Fallschirmspringern, die sich in Formationen and Fallschirmen in den französischen Nationalfarben vom Himmel stürzten. Einer von ihnen brach sich beim Landen wohl das Bein — wie sich der arme Kerl wohl gefühlt haben muss? Da wird man auserwählt, beim Nationalfeiertag vor dem Präsidenten zu springen, und dann sitzt man auf den Champs-Elysées und kann nicht mit seinen Kameraden würdevoll auf die Seite laufen. Ich vermute, dass Fallschirmspringer normalerweise nicht im Stehen landen, sondern sich abrollen, so dass diese Landung auf den Füßen ein spezieller Effekt für den 14. Juli war. Er tat mir wirklich leid, und ich fand es toll von Hollande, dass er nach dem offiziellen Ende der Feierlichkeiten zu ihm ging, ihn fragte, was geschehen sei und am Ende sinngemäß meinte: „Sie haben Ihre Sache toll gemacht. Bis nächstes Jahr!“.

Den Nachmittag habe ich in der Stadt verbracht (es sind auch soldes, also Sommerschlussverkauf). Zwar finden den ganzen Tag über organisierte Begegnungen mit Soldaten statt, aber daran hatte ich schlichtweg kein Interesse.

Am Abend stand dann natürlich das große Feuerwerk auf dem Programm. Die Stadt Paris hat, wie jedes Jahr, einen Feuerwerker engagiert, um, passend zur gespielten Musik, ein Lichterschauspiel in den Himmel über Trocadero (gegenüber dem Eiffelturm am anderen Seineufer) zu zeichnen. Aufs Marsfeld wollte ich dafür nicht, dort fand zwar die große 14-Juli-Disko statt (man hatte sogar eine riesige Diskokugel an den Eiffelturm gehängt — bei den Bildern im Artikel über den 14. Juli auf www.paris.fr könnt ihr sie sehen!). Ich fand, gemeinsam mit einigen anderen, eine perfekte Lösung: die Dachterrasse eines neuen Pasteur-Gebäudes. Da wir alle mit Mitarbeiterausweisen ausgestattet waren, war es kein Problem, abends zum Institut zu fahren und die Dachterrasse zu betreten, wo zu unserer Überraschung schon ca. 30 junge Forscher auf das Spektakel warteten. Die 30-minütige Show war wirklich beeindruckend, wenn wir auch nichts von der dazu gespielten Musik hören konnten, die Farben waren einfach toll, und die schwarze Silhouette des Eiffelturms (seine Beleuchtung wurde dafür abgeschaltet) vor den Lichtern gab dem ganzen genau die Würze, die den 14. Juli in Paris ausmacht. Ich habe ein paar Fotos gemacht — wie gefällt euch das Feuerwerk um den Eiffelturm?

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