Museum des Institut Pasteur

Heute möchte ich mal über etwas schreiben, das der normale Paris-Tourist leider nicht zu Gesicht bekommt: das Museum des Institut Pasteur.

Als Louis Pasteur durch seine Impfung gegen Tollwut weltberühmt wurde, erhielt er aus allen Winkeln dieser Erde Gelder, um ein Institut zu errichten, das derartige Forschungen weiter unterstützen würde. Er wurde erster Direktor des nach ihm benannten Institut Pasteur, das bis heute eine der auf einigen Gebieten weltweit führenden Forschungseinrichtungen für medizinische und biologische Forschungen ist. Das erste Gebäude, das für das Institut errichtet wurde, enthielt neben den Labors auch Pasteurs Privatwohnung, die bis heute als Museum erhalten ist.

Leider darf man im Museum nicht fotografieren — ich nehme euch daher mit auf eine Reise in die Tiefen eurer Vorstellungskraft.

Das Museum kann nur mit einer Führung besichtigt werden. Bedauerlicherweise finden diese Führungen nur Montag bis Freitag um 14, 15 und 16 Uhr statt, so dass Besucher, die nur am Wochenende in Paris sind, keine Chance haben, das Museum zu besichtigen. Der Eintritt kostet 7 €, 4 € für Studenten und andere Ermäßigte, wobei ich die genauen Regeln hierfür nicht kenne. Ein Tipp: wer am Empfang des Instituts, wo man seinen Ausweis gegen eine Besucherplakette eintauschen muss, um aufs Gelände zu kommen, nicht um Zugang zum Museum bittet (was übrigens auch wunderbar auf Englisch funktioniert), sondern angibt, einen Wissenschaftler des Institutes besuchen zu wollen, bezahlt keinen Museumseintritt, da Gäste des Instituts umsonst geführt werden. Man muss allerdings auch wirklich einen Wissenschaftler kennen, denn der wird angerufen und holt einen dann am Empfang ab.

Die Dame, die den Hauptteil der Zeit die Führungen veranstaltet, spricht Französisch, Englisch, Spanisch und auch etwas Deutsch, so dass man sich problemlos zur Führung anmelden und den Eintritt bezahlen kann. Nach Betreten des Museums werden (manchmal nur auf Nachfrage) Hefte verliehen, die die verschiedenen Sehenswürdigkeiten beschreiben — diese Hefte gibt es auf Französisch, Englisch, Spanisch, Deutsch und noch einigen weiteren Sprachen.

Der erste Raum der Museumsführung enthält eine Dokumentation seiner wissenschaftlichen Errungenschaften. Ich muss gestehen, dass es wissenschaftlich gesehen zwar recht interessant sein mag, aber im Allgemeinen ein eher schlechter Start für die Führung ist. Der Raum ist klein, an jeder Wand hängen Vitrinen, in denen diverse Ausstellungsstücke sowie französische Beschriftungskärtchen zu sehen sind. Die Führerin weist einem die Türe, schließt sie hinter der Besuchergruppe und lässt einen für 10 – 15 min alleine die Vitrinen betrachten. Hier sind die oben erwähnten Hefte wirklich Gold wert!

Nach dieser sehr nüchternen Einführung in die Wissenschaftshistorie geht es weiter durch den ersten Stock. Man sieht hier Pasteurs Schlafzimmer sowie das seiner Frau, das Badezimmer sowie das kleine Wohnzimmer. Die Beschreibungen sind im Heft enthalten, es lohnt sich, sie vor Betrachten des Raumes durchzulesen, da man dort nicht wirklich hineinkommt und sich so die ganze Besuchergruppe an der Tür drängt. Es lohnt sich auch, der Führerin zuzuhören, oft erzählt sie kleine Details, die im Heft nicht aufgeführt sind.
Im Flur selbst sind einige Gedenkmünzen sowie Fotos von Mitarbeitern von Pasteur gezeigt.
Was mir im ersten Stock besonders gefällt sind die Porträts von Pasteurs Eltern, die links an der Wand seines Schlafzimmers hängen. Er hat sie selbst im Altern von 13 Jahren angefertigt — er war offenbar auch künstlerisch sehr begabt. Außerdem mag ich das Badezimmer — es ist aus dem Jahr 188x, hat eine freistehende Badewanne mit fließend Wasser, ein Waschbecken mit einer Porzellanwaschschüssel im Waschbecken sowie einen Kleiderschrank mit Glastüren, in denen einige von Pasteurs Kleidungsstücken ausgestellt sind. Das auffällige rote Gewand ist seine Professorenrobe (aka Talar), die damals noch allen Professoren als Zeichen der Würde ihres Standes verliehen wurde — ich stelle mir gerne meine alten Professoren in einem dieser Gewänder vor und schmunzle leise vor mich hin. Im Wohnzimmer gefällt mir direkt rechts neben der Tür an der Wand ein Rahmen mit Fotos von Pasteur und seinem besten Freund beim Biertrinken — das, laut der Führerin, einzige erhaltene Foto von Pasteur, auf dem er lächelt (richtig lachen konnte er aufgrund seines Schlaganfalls wohl nicht mehr richtig) und nicht ernst und würdevoll abgebildet ist.

Die Führung geht im Erdgeschoss weiter. Man betrachtet zunächst das kleine Esszimmer, das vor wenigen Jahren vollständig renoviert wurde und daher wirklich sehr gut aussieht, und geht weiter in Pasteurs Arbeitszimmer. Von dort aus geht es weiter ins Wohnzimmer, das voller Geschenke ist, die Pasteur von den verschiedensten Personen und Staaten überreicht wurden: ein ausgestopftes Wiesel, eine Alabastervase, bestickte Stühle, Gemälde, Orden … es ist übrigens kein deutscher Orden dabei. Ich fragte die Führerin einmal, ob er keinen erhalten habe, und sie informierte mich, dass er ihn nach Ausbruch des Krieges zurückgab. Er muss ein großer Patriot gewesen sein, was man z.B. daran erkennt, dass in seinem Arbeitszimmer hinter dem Schreibtisch ein Porträt eines elsässischen Mädchens in schwarzer elsässischer Tracht aufgehängt ist — für ihn ein Symbol für die Trauer um den Verlust des Elsass. Ich denke mir beim Anblick dieses Bildes jedes Mal, dass er wohl sehr glücklich wäre, wenn er wüsste, dass es nun wieder zu Frankreich gehört.
Im Wohnzimmer auf dem Kaminsims steht auch eine der außergewöhnlichsten Gaben, die Pasteur zuteil wurden — eine Vase, die auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkt, in deren Material aber ein Mikroskop und ähnliche Utensilien eingearbeitet wurden. Leider kommt man bei der Führung nicht nahe genug heran, um es sehen zu können, ihr müsst mir also leider einfach glauben. Ich selbst überlege schon die ganze Zeit, wie ich die Führerin mal dazu bekommen könnte, dass ich mir die Vase aus der Nähe ansehen darf!
Louis Pasteur, Foto von Wikipedia: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/97/Louis_Pasteur.jpeg
Nach Verlassen des Wohnzimmers geht man ins große Esszimmer, das vom großen Tisch und den beiden Gemälden, die jeweils an den Wänden der Kopfenden hängen, beherrscht wird. Eines der beiden Gemälde ist das berühmte Bild, das Pasteur in seinem Labor zeigt — rechts seht ihr das Bild, wie es bei Wikipedia eingestellt ist. Falls das Bild nicht zu sehen sein sollte, hat sich wohl der Link zu Wikipedia verändert — geht einfach auf den Wikipediaartikel über Louis Pasteur, dort dürftet ihr es finden.

Nach diesem Rundgang durch die Wohnung von Herrn und Frau Pasteur kommt — zumindest in meinen Augen — der Höhepunkt der Führung. Als einer der großen Volkshelden Frankreichs wurde seiner Familie natürlich angeboten, ihn neben den anderen „großen Männern Frankreichs“ im Pantheon zu bestatten, doch die Familie lehnte ab. Er wurde hier, im Institut selbst beerdigt, und zwar in einer Krypta, die ihresgleichen sucht! Sie befindet sich noch ein Stockwerk tiefer als die Wohnung, im Keller des Gebäudes.
Wer schon einmal in Sacre Coeur war, erinnert sich vielleicht an das sehr schöne Mosaik aus kleinen goldfarbenen und bunten Plättchen, das über dem Altar an der Decke prangt. Derselbe Künstler, der diese Dekoration schuf, zeichnete auch für Pasteurs Krypta verantwortlich. Der gesamte Raum ist auf diese Weise verziert, und jedes Motiv hat eine Bedeutung: man findet Weinreben, für Pasteurs Forschungen an den Krankheiten des Weines, Hopfen, für die Forschungen am Bier, Schafe, für die Entwicklung des Impfstoffes gegen Milzbrand (ich glaube, das sind die Schafe), Kaninchen, für die Tollwutimpfung, Hunde für dasselbe, Seidenraupen bzw. die ausgewachsenen Maulbeerspinner für seine Erforschung deren Krankheit, die die französische Seidenproduktion bedrohte, … außerdem eine Liste seiner wissenschaftlichen Durchbrüche sowie an der Decke in den vier Ecken des Raumes vier Engel, die Schilder zu halten scheinen. Auf ihnen stehen die drei Tugenden geschrieben, Glaube, Hoffnung und Liebe — der vierte Engel hält die Wissenschaft hoch, die für Pasteur die vierte Tugend darstellte. In der Mitte unter diesen Engeln steht der steinerne Sarkophag mit Pasteurs sterblichen Überresten, am Ende des Raumes befindet sich ein kleiner Altar sowie eine in den Boden eingelassene Steinplatte, unter der seine Frau beerdigt wurde.

Ich persönlich finde, dass das Museum einen Besuch wert ist, besonders wegen der Krypta, doch die Öffnungszeiten (Montag – Freitag, 14, 15 und 16 Uhr) verhindern leider, dass der Großteil der Paristouristen es besuchen kann.

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