La Défense

Außerhalb von Paris, in dem nach dem Bau des Tour Montparnasse keine wirklich hohen Hochhäuser mehr errichtet werden dürfen, befindet sich das fast nur aus Hochhäusern bestehende „Bankenviertel“ namens La Défense. Mir persönlich gefällt es hier sehr gut: gegen Paris mit seinen altehrwürdigen Gebäuden bilden die Glasfassaden von La Défense einen interessanten Kontrast. Aber es gibt hier natürlich noch mehr als nur Glas zu sehen.

Seinen Namen hat La Défense von einer Skulptur, die die Verteidigung Paris‘ durch Soldaten zeigt. Man muss schon eine Weile nach ihr suchen, ich habe sie erst beim fünften Besuch endlich entdeckt. Laut Wikipedia empfanden die Leute dort sie als so wichtig, dass sie, nachdem sie für den Bau des Büroviertels entfernt worden war, nach Abschluss der Bauarbeiten an genau derselben Stelle wieder aufgebaut wurde. Die Franzosen schätzen Kunst und Geschichte eben sehr.

Nun aber zu den anderen Sehenswürdigkeiten. Nachdem man die Endstation der Metrolinie 1 verlassen hat (bis La Défense, das natürlich gar nicht zu Paris gehört, da es ja außerhalb der Stadtautobahn Périphérique liegt), sieht man als erstes natürlich La Grande Arche, das große Bürogebäude, das eine sehr moderne Kopie des Triumphbogens zu sein scheint. Es liegt tatsächlich auch genau auf der Axe historique, der Linie also, die den Louvre mit dem Triumphbogen verbindet und daher durch den Place de la Concorde und die Champs-Elysées entlangläuft. Steigt man die Stufen zur Grande Arche hinauf und blickt in Richtung Paris, kann man bei klarer Sicht tatsächlich den Triumphbogen erkennen, manchmal sieht man sogar das Leuchten der goldenen Obeliskenspitze auf dem Place de la Concorde. Früher konnte man auch mit einem Aufzug auf die Grande Arche hinauffahren, aber seit ich regelmäßig in Paris war, ist dieser Aufzug leider außer Betrieb gesetzt — ich hoffe ja immer noch, dass er irgendwann reaktiviert wird!

Steht man unter der Grande Arche mit Blick Richtung Paris, sieht man links und rechts zwei große Einkaufszentren, riesige Gebäude mit zahllosen verschiedenen Läden darin. Bei schlechtem Wetter kann man da ganz hübsch bummeln. Das linke der beiden Gebäude sieht auch sehr interessant aus, als wäre es von einem Segeltuch überspannt. Es birgt, soweit ich weiß, auch ein Konferenzzentrum.

Geht man von der Grande Arche aus geradeaus und überquert den großen freien Platz, auf dem im Dezember der Weihnachtsmarkt stattfindet, kommt man nach einer Weile an ein Geländer, das einen von einer Straße trennt. Man sieht hinunter auf einen Kreisverkehr. In dessen Mitte steht die Statue „La Défense“!

Wendet man sich allerdings von der Grande Arche aus nach links, findet sich eine Statue, die mir irgendwie gefällt: ein riesiger Daumen. Sinn und Zweck bzw. die beabsichtigte Aussage des Künstlers habe ich allerdings bis heute nicht enträtselt.

Besonders an einem Wochenende gefällt mir La Défense: es ist ein wunderbarer Kontrast zum altehrwürdigen, von Menschenmassen überfüllten Paris. Der einzige Ort in La Défense, an dem man sonntags viele Leute antrifft, ist der McDonald’s (in dem Gebäude rechts, vom oben immer wieder beschriebenen Standpunkt aus). Und selbst wenn einiges los ist, ist es sehr interessant: steht man unter der Grande Arche und dreht sich um, mit dem Rücken nach Paris, sieht man in eine, wie einem scheint, völlig andere Welt. Es ist nicht mehr Paris. Es ist auch kein Büroviertel. Es ist schwer zu beschreiben: man sieht einen Steg, der von der Grande Arche aus irgendwohin führt, man sieht Straßen und einen Friedhof, viele Gebäude mit unbestimmtem Zweck und einfach nur weit, weit entfernt den Horizont. Gerade dieses Unwissen, was für eine Stadt, was für ein Viertel das ist, macht es für mich immer wieder so interessant. Und auch die seltsamen Kunstwerke, die dort hinter der Grande Arche im Boden stecken und das Panorama irgendwie surreal wirken lassen: mich erinnern sie immer an riesigen Lutscher mit außerordentlich seltsamen Köpfen.

Ich mag La Défense. Wer mehr als nur zwei Tage in Paris ist, sollte sich den Kontrast “ Paris vs La Défense“ unbedingt mal anschauen!

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