Straßenreinigung auf Pariserisch

Ich habe mich ja schon des Öfteren gewundert, wenn ich morgens aus dem Haus kam und die Gehwege nass waren, die Straßen jedoch nicht. Regen wird auch im Pariser Mikroklima nicht so gezielt auftreten. Und nun endlich, nach Wochen des gründlichen Beobachtens, habe ich die Feinheiten der Pariser Straßenreinigung ergründet. Es gibt drei Reinigungsmethoden:

  1. Der Bach am Straßenrand
    Im Winter war das nicht so häufig, aber kaum klettern die Temperaturen auch morgens über 10 °C, sieht man es wirklich oft: Laufendes Wasser am Straßenrand. Und niemand wundert sich darüber! Man möchte eine Straße überqueren, geht an den Bordstein am Zebrastreifen und muss einen Riesenschritt machen, um nicht ins Wasser zu treten. Und dieses Wasser steht nicht einfach nur, es fließt. In regelmäßigen Abständen an der Straße befinden sich, für den naiven Nichtstädter nicht als solche zu erkennende Wasserauslässe, die morgens gern mal geöffnet werden. Das Wasser fließt dann fröhlich die Straße lang und nimmt allen Dreck mit, dem es unterwegs so begegnet. Nach 15 bis 20 Minuten wird das Wasser wieder geschlossen, „Arbeit“ getan. Wasser muss hier wirklich billig sein, und die Kanalreinigung auch.
  2. Der unmotivierte Feger
    Gelegentlich sieht man an den Bächen am Straßenrand zusätzlich einen Mann mit einem Besen auf dem Gehweg. Es handelt sich dabei um einen Besen, der aussieht wie einer der Reisigbesen, die Hexenfigürchen immer beigegeben werden, nur, dass er eben nicht aus Reisig ist. Der Mann taucht ausgesprochen lustlos den Besen mit den Spitzen ins fröhlich vorbeifließende Wasser und fegt einmal unmotiviert (und alles andere als gründlich) über den Gehweg, wobei er zufällig erwischten Müll in den kleinen Straßenrandbach befördert. Dann geht er einen halben Meter vor und wiederholt die Prozedur. Das zieht sich bis zum Ende der Straße fort, so dass man jeden halben Meter auf dem Gehweg eine leichte feuchte Besenspur erkennen kann. Wahnsinnig effizient …
  3. Der Hochdruckreiniger
    Manchmal fährt ein kleiner Lastwagen durch die Straßen, der auf der Ladefläche einen großen Wassertank mitträgt. Ein Mann läuft neben diesem Tanker her, hält eine Düse in der Hand und spritzt den kompletten Gehweg schlichtweg nass. Der Tross bewegt sich im Schritttempo durch die Straßen und verursacht unglaublichen Verkehrsstau. Es scheint mir die reinigungstechnisch effizienteste Methode zu sein, die Gehwege sauber zu halten — oder sollte ich eher sagen, die am wenigsten uneffizienteste? Das Problem der Methode besteht darin, dass sie nur Gehwege reinigen, an deren Rand keine Autos parken

Tja, ihr seht es ist alles ein wenig seltsam. Vor dem Institut parken die Leute am Gehweg, so dass da kein Wassergespritze veranstaltet wird. Leider. Vor vier Wochen hat einer vor unseren Zaun gekotzt. Ich schwöre, ich werde den Rest meines Lebens nicht mehr richtig lachen können, wenn jemand über etwas Heruntergefallenes mit einem Augenzwinkern hinwegsieht: „Das tritt sich fest.“. Jetzt weiß ich: ja, das tut es. Widerlich …

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