Einer der Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Heute findet in Tübingen die Tagung „Sex differences in the social brain“ statt. Ich war zu einem Vortrag dort und muss sagen, dass es doch sehr verblüffend ist, was man so alles erforschen kann.

Auf einige der Ideen wäre ich so gar nicht gekommen, besonders auf die zu beachtenden Parameter nicht. Die Studie, die vorgestellt wurde, als ich dort war, behandelte die unterschiedlichen messbaren Gehirnströme bei Männern und Frauen, wenn sie Babygesichter ansehen. Das klingt prinzipiell erst mal halbwegs einfach. Dass die Probanden, also die Ansehenden, ein möglichst großes Altersspektrum und natürlich beide Geschlechter umfassen sollten, leuchtet auch völlig ein. Die Probanden in zwei Gruppen, „Eltern“ und „nicht-Eltern“ zu unterteilen, scheint eine sehr interessante Fragestellung zu sein. Aber wie wählt man die richtigen Babyfotos? Da wurde ein Aufwand betrieben, wirklich unfassbar (soundsoviele hundert Babyfotos von soundsovielen Babies, Geschlechterverteilung, Altersverteilung, blabla). Aber dann mussten die Fotos ja noch in Kategorien (glücklich, neutral, unglücklich) unterteilt werden. Und wer tat das? „Experten“, so die Antwort. Die Expertengruppe bestand aus Eltern und Kindergärtnerinnen.

Ich finde das ziemlich cool – man nahm keine Kinderpsychologen oder Gott-weiß-was für seltsame, hochstudierte und megakompetente Leute, nein, man nahm die, die auch wirklich täglich mit den Kindern zu tun haben. Hat mir gefallen.

Und was kam raus bei der Studie? Nun, Frauen reagieren deutlich früher und stärker auf Babies, besonders auf unglückliche. Die Studie wurde aber noch weiter getrieben: Frauen reagieren ganz allgemein stärker auf jegliche Bilder, die Menschen zeigen. Am stärksten reagieren Frauen auf Bilder von Menschen in unglücklichen oder Notsituationen (da waren vielleicht ein paar Bilder dabei … uh). Männer hingegen reagieren zwar auch stärker auf Menschen als auf Landschaften oder technisches Gerät, aber bei weitem nicht so viel stärker als Frauen – es sei denn, die Bilder zeigen erotische Szenen. Da reagieren Männer sehr viel stärker. Alles in Allem wurde der Vortrag seinem vielversprechenden Titel „He never knows when she’s upset? Sex differences in face encoding“ leider nicht gerecht.

Die Studie zeigte keine bahnbrechenden Neuigkeiten, die man mit ein wenig Beobachtungsgabe nicht schon selbst erkannt hätte, aber sie quantifizierte es. Vielleicht kann man damit ja auch mal irgendwas Weiteres anfangen.

Der Vortrag selbst war übrigens eine wahre Katastrophe. Alle paar Folien änderte sich der Hintergrund, die Schriftart oder die Schriftgröße (oder alles). Die Folien waren oft voller Bilder, Tabellen und Grafiken, von denen eine erklärt und dann einfach weitergeklickt wurde. Viele Folien, die z. B. die Zusammensetzung der Probandengruppen erklärten, wurden nur zwei Sekunden gezeigt und dann einfach übersprungen. Wahnsinnig chaotisch – da lerne ich sogar die Vorträge manch anderer Person schätzen, deren Vorträge ich bisher für, hm, sagen wir „verbesserungswürdig“ hielt. Hoffentlich werden meine zukünftigen Vorträge allesamt besser!

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One Response to Einer der Unterschiede zwischen Männern und Frauen

  1. Manu says:

    „da lerne ich sogar die Vorträge manch anderer Person schätzen“
    😀

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