Bettler im Urlaub und echte Bettler.

… oder besser gesagt, aus dem Urlaub zurück! Hier, vor dem Franprix-Markt nah am Institut Pasteur, sitzt tagein, tagaus ein Mann meines Alters auf einem Klappstuhl und bettelt um Geld. Eigentlich sitzt er mehr da, damit seine Schale nicht unbewacht bleibtm und unterhält sich nebenbei mit Freunden. Jedenfalls habe ich ihn seit meiner Ankunft täglich dort sitzen sehen — bis auf Samstag und Sonntag und auch ab dem 22. Dezember nicht mehr. Seit drei Tagen ist er zurück — Weihnachtsurlaub, ich wette drauf! Er hält sich ja auch so konsequent an die Wochenend-nicht-Arbeitszeiten … über den kann ich echt nur schmunzeln.Natürlich gibt es auch noch ganz andere Bettler in Paris, Leute, bei denen man auch wirklich glaubt, dass sie es nötig haben. Meist sind sie in der Metro, steigen in einen Wagen und rufen, sobald der losgefahren ist, laut Dinge umher wie: „Mesdames, Messieurs, ich habe keine Arbeit, drei Kinder und kann die Miete nicht zahlen, wenn Sie mir etwas geben könnten, um mir zu helfen, wäre das nett, ich nehme alles, Münzen, Scheine, Restauranttickets, vielen Dank und einen schönen Tag!“. Das alles wird, ohne einmal Luft zu holen, in den Waggon gerufen und dann gehen sie mit einer Mütze oder einem Becher durch und sammeln Geld. Was diese Restauranttickets sind, weiß ich noch nicht, aber ich habe es jetzt schon so oft gehört, dass ich es rausfinden werde, ich will ja schließlich nicht dumm bleiben 😉 Um zurück zu diesen Leuten zu kommen: die meistens sind zum Glück nicht aufdringlich, wenn man nichts gibt, gehen sie einfach weiter. An der nächsten Station steigen sie aus, gehen in den nächsten Wagen und machen so weiter.

Wenn die Metro nicht so voll ist, habe ich auch schon Leute mit einer anderen Taktik gesehen: Sie steigen ein, legen auf den Sitz einem gegenüber einen Zettel mit fast demselben Wortlaut wie oben, und kommen dann wieder, sammeln die Zettel ein und gucken einen furchtbar enttäuscht an, wenn man nichts draufgelegt hat. So eine große Stadt scheint viele Bettler zu beherbergen … ich nehme an, das ist die Schattenseite der Metropolen, dieser krasse Gegensatz zwischen Leuten, die mal eben rasch im BHV einkaufen gehen, obwohl es so sauteuer ist, und den Bettlern vor der Tür. Selbst, wenn einem diese Leute leid tun, man kann unmöglich allen etwas geben (es sei denn, man verdient deutlich mehr als ich), und das lässt einen doch recht abgestumpft an ihnen vorbeihasten … nur noch ein Bettler. Irgendwie traurig.

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