Was für eine Bibliothek!!!

Das Institut Pasteur beeindruckt mich immer mehr — nicht nur, dass es eine fantastische Forschungseinrichtung ist, in der die verschiedensten Fachrichtungen arbeiten und daher ein großartiger Austausch möglich ist, nein, es ist noch viel mehr. Rein wissenschaftlich gesehen bin ich heute vor Ehrfurcht fast erstarrt: ich benötigte eine Publikation, die ich aber leider im Internet nicht bekommen konnte. Antonio, mein Chef, hatte mir schon mal gesagt, dass man manche Publikationen auch über die Institutsbibliothek bekommt, also ging ich zu ihm und fragte ihn, wie man da ran kommt. Er zeigte mir den Online-Bibliothekskatalog, der uns informierte, dass es das fragliche Paper zwar in der Bibliothek gibt, aber nur in gedruckter Form. Antonio meinte, dass ich dann doch gleich mal zur Bibliothek gehen könnte, die sollte ich mir unbedingt ansehen, die sei eins der besten Dinge am Institut. Ich ging also auf seine Anweisung hin erst zur Sekretärin und besorgte mir eine Kopierkarte, dann zur Bibliothek.

Was stellt ihr euch unter einer Institutsbibliothek vor? Ich dachte an ein paar Räume mit Computern zum Nachschauen, wo was steht, und Regalen. Natürlich ist auch die Bibliothek hier unter anderem so, aber auch viel mehr! Die Médiathèque scientifique, wie sie hier heißt, belegt zwei komplette Stockwerke in einem recht umfangreichen Gebäude. Nur eins der Stockwerke ist zugänglich, das zweite ist ein Archiv. Betritt man das zugängliche Stockwerk, findet man sich an einem großen Empfang wieder, an dem zwei Mitarbeiter sitzen. Sie befragt man nach den Publikationen, die man benötigt (falls man das nicht schon vorher im Netz erledigt hat), und sie informieren einen dann, ob diese Publikationen im zugänglichen Bereich stehen oder sich bereits im Archiv befinden. Von den sechs Veröffentlichungen, die ich haben wollte, befanden sich fünf schon im Archiv (zugegeben, bei einem Publikationszeitraum von 1973 bis 1987 auch nicht verwunderlich). Ich füllte Formulare aus, die den Mitarbeitern das Auffinden erleichterten, und jemand machte sich sofort (!) auf den Weg, mir die gewünschten Werke zu beschaffen; ich solle doch bitte zehn Minuten warten. Schon das hat mich sehr beeindruckt. Dann machte ich mich auf den Weg, die verbliebene Publikation, die sich im allgemein zugänglichen Bereich befand, zu suchen, die Zeit sollte ja schließlich sinnvoll genutzt werden. Ich lief durch Regalreihen voller altehrwürdiger Bücher … aber was für Bücher! Jedes Jahr werden sämtliche wissenschaftliche Zeitschriften eines Jahrgangs von einem Buchbinder zu einem Buch mit festem Einband zusammengefügt — die Regale um mich herum waren voller (im Sinne des wissenschaftlichen Fortschritts) uralter Publikationen. Die Zeitschrift „Nature“ zum Beispiel gibt es in einem riesigen Regal — ab dem Jahr 1921 oder sowas! Alles Originalhefte, wenn man die Bücher öffnet, fühlt man genau das Papier unter den Händen, das vor fast 100 Jahren (leicht übertrieben) so verkauft wurde. Und ein paar Regalreihen weiter gibt es die aktuellen Zeitschriften — die richtigen, echten Zeitschriften zum in die Hand nehmen, nicht nur pdfs, wie ich es gewohnt bin, nein, richtig mit Einband! Sobald mein erstes Erstaustorenpaper veröffentlicht wurde, werde ich in die Bibliothek gehen, das Heft in die Hand nehmen und darin blättern, bis ich meinen Namen finde … jawohl!

Was für ein wissenschaftlicher Schatz! Ich liebe diese Bibliothek jetzt schon. Die Mitarbeiterin war übrigens tatsächlich sehr exakt zehn Minuten später zurück und überreichte mir fünf dicke Bücher, die den jeweils gewünschten Jahrgang der benötigten Zeitschrift enthielten. Die hervorragenden Kopierer, die in der Médiathèque stehen, verhalfen mir sehr schnell zu exzellenten Kopien. Ich bin begeistert! Zu schade, dass sie nur unter der Woche von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist.

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