Die Doktorurkunde — was lange währt, wird endlich gut!

Gestern bin ich extra nach Tübingen gefahren, um meine Doktorurkunde abzuholen — wer weiß, ob mir die die Post noch rechtzeitig gebracht hätte! Ich hatte am Donnerstag zuvor extra angerufen und mich angekündigt, um sicherzustellen, dass die Urkunde nicht doch in die Post geht. Ich ging also frohen Mutes um 11 Uhr zum Dekanatssekretariat (Öffnungszeiten 10 – 12 Uhr) — um festzustellen, dass keiner da war. Weder im Sekretariat, noch im Dekanat, noch in den anderen Räumen.

An und für sich war das zwar komisch, aber ja noch nicht sooo schlimm, jeder ist mal eben kurz nicht anwesend, ich wartete also ein wenig. Und noch ein wenig. Und noch ein wenig länger. Nach einer ganzen Weile fragte ich auf einem anderen Stockwerk, ob man wisse, wo alle seien. Keiner hatte eine Ahnung, eine Dame informierte mich sogar, sie habe die Sekretärin an diesem Tag noch überhaupt gar nicht gesehen. Mir wurde ein wenig bange.

Wieder zurück im richtigen Stockwerk fand ich dann doch eine Person, die was wusste: Es fände eine Dekanatsbesprechung statt, wie lange die dauere, wisse er nicht, aber die Sekretärin käme danach sicherlich zurück.

Ich ergab mich also in mein Schicksal und setzte mich vor der Sekretariatstür auf den Boden und las ein zum Glück in meiner Tasche befindliches Buch. Ein anderes, größeres Buch, das ich eigentlich noch jemandem vorbei bringen wollte, diente mir nach einer halben Stunde als Sitzgelegenheit, denn der Boden war doch recht kalt. Als Durchzug anfing, wurde es sogar richtig kalt — ich musste meine Jacke anziehen. Ich las und las, zwischendrin sah ich immer mal wieder erst besorgt, dann zunehmend verärgert auf die Uhr. Tobi und mein Papa riefen mich ein paarmal an und machten ihrem Ärger, dass ich da so versetzt wurde, verbal deutlich Luft — ich hoffte nur noch, dass Madame Sekretärin bald auftauchen würde.

Nach zwei Stunden (!) erschien ein Herr, der mich auf Nachfrage informierte, dass die Besprechung, an der er ebenfalls teilgenommen hatte, vorbei sei, die Sekretärin jedoch noch mit zum Mittagessen gegangen sei. Nun gut … ich wartete weiter.

Ihr erratet nie, wann sie auftauchte. Ich saß geschlagene VIER STUNDEN vor dieser Dekanatstür. Ich habe über die Hälfte des Romans gelesen. Um ziemlich genau drei Uhr erschien sie dann endlich auf der Bildfläche — sie war offensichtlich sehr zerknirscht und begrüßte mich mit den Worten „Es tut mir so leid, ich habe Sie vergessen.“. Dass es ihr offenbar wirklich sehr leid tat, besonders, als ich erwähnt hatte, dass ich jetzt seit vier Stunden auf sie wartete, und dass sie keine Ausflüchte suchte, sondern ehrlich zugab, mich vergessen zu haben, versöhnte mich wieder soweit, dass ich meinem Ärger nicht freien Lauf ließ. Zu meiner positiven Überraschung hatte sie aus völlig eigenem Antrieb sogar eine englische Übersetzung meiner Urkunde angefertigt, weil sie wusste, dass ich ins Ausland gehen werde — das versöhnte mich dann ziemlich.

Fazit: ich habe endlich diese Urkunde! Hiermit darf ich mich also ganz offiziell selbst als Doktor der Naturwissenschaften bezeichnen — hurra!

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