Taufe oder Das Taufkleid im Einsatz

Drei Monate ohne Blogpost — das muss ich jetzt dringend ändern 🙂 Hier endlich, zwei Monate nach dem Ereignis, ein Update zum von mir gestrickten Taufkleid: ein Bericht über die Taufe selbst!

Die Taufe war keine normale Taufe, wie man sie tausenfach kennt, in einer Kirche und so weiter. Die evangelische Kirche Karlsruhe veranstaltete am Sonntag, den 13. Juli 2014 („am Tag, an dem Deutschland zum vierten Mal Weltmeister wird!“, wie Markus schon am Morgen feststellte), in der Günther-Klotz-Anlage ein großes Tauffest. Die Günther-Klotz-Anlage ist ein schöner öffentlicher Park, durch den das Flüsschen Alb fließt. Und genau in diesem Fluss sollten alle angemeldeten Täuflinge getauft werden.

Am Morgen war das Wetter nicht sehr vielversprechend, der Himmel war grau und wolkenverhangen. Da am Tag vorher allerdings nochmals bekräftigt worden war, dass man nicht in eine Kirche umziehen wird, sondern auf die Bewahrheitung des Wetterberichts hoffe, der recht optimistisch war, machten Tobi und ich uns auf nach Karlsruhe. Es war schön organisiert: im Park war eine große Bühne errichtet worden, davor standen viele Reihen Bänke. An jeder dritten oder vierten Bank war ein großer bunter Luftballon befestigt. Jede Täuflingsfamilie war einer Farbe zugeordnet worden, so dass im scheinbaren Chaos so vieler Menschen doch Orientierung möglich war. Am dunkelblauen Ballon fanden wir dann meinen Patensohn Timm, seine Eltern und übrige Familie. Schon bald sollte der Gottesdienst losgehen, und ausgerechnet in diesem Augenblick begann es zu regnen. Es war ein interessanter Anblick, all die Leute mit Schirmen auf den Bänken sitzen zu sehen …

Kaum hatte der Gottesdienst begonnen, schien der Himmel jedoch ein Einsehen zu haben. Der Regen hörte auf, die Wolken verschwanden und es kam die Sonne raus! Es wurde tatsächlich so warm und schön, dass ich am Ende des Tages einen leichten Sonnenbrand auf den Schultern hatte — perfektes Taufwetter also!

Der Gottesdienst war schön gemacht, wenn ich auch immer schmunzeln musste, wenn der Pfarrer wieder anhob zu sagen: „114 Täuflinge sagen heute „ja“ zu Gott!“. Die meisten Täuflinge sagten vermutlich noch nicht mal Mama und Papa … dennoch ist natürlich klar, was er meinte. Und es waren durchaus auch ältere Täuflinge dabei. Der SWR hat einen kurzen Filmbeitrag über einen von ihnen und das Tauffest im Allgemeinen veröffentlicht (findet sich hier in der Mediathek). Ein Teil des Gottesdienstes wurde von Kindern gestaltet, die ein Taufmusical aufführten. Eigentlich war es echt süß, aber leider hat die Person, die für die Technik verantwortlich war, hier irgendwas falsch gemacht: bei jedem Lied hörte man klar und deutlich die die Kinder begleitenden Instrumente, den Text selbst verstand man nicht. Und das lag nicht daran, dass es ein Kinderchor mit vielen Kindern mit schlechtem Taktgefühl war oder sowas — für einen Kinderchor haben sie wirklich gut gesungen! Ja, ich mag Kinderchöre normalerweise nicht sehr, aber diese hier waren wirklich gut! Schade, dass man so wenig verstanden hat.

Nach dem Gottesdienst kam je ein Pfarrer zum entsprechenden bunten Ballon und nahm ihn mit zu einer Stelle am Ufer der Alb. Außer Täuflingen, Eltern und Paten wurden alle Gäste gebeten, das andere Albufer aufzusuchen, damit kein allzu großes Gedränge enstünde. So folgten also nur wir Paten den Täuflingsfamilien, die sich wiederum am bunten Ballon orientierten.

Gleich der erste Täufling bei „unserer“ Pfarrerin war Timm. Wir stiegen also in die Alb (ich persönlich fand das Wasser jetzt nicht so kalt, wie es in dem SWR-Beitrag rüberkommt), Timms andere Patentante trug ihn auf dem Arm und ich las während der Taufe den Taufspruch, Jesaja 41,10, vor:

Fürchte dich nicht, ich bin mit dir.
Weiche nicht, denn ich bin dein Gott.
Ich stärke dich, ich helfe dir auch,
ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.

Der Spruch gefällt mir sehr, wenn mich auch die letzte Zeile etwas irritiert, weil ich den Ausdruck „die rechte Hand meiner Gerechtigkeit“ nicht richtig zu interpretieren weiß. Wer oder was ist diese rechte Hand? Warum nicht durch die Gerechtigkeit im Allgemeinen? Leider habe ich darauf bislang keine Antwort. Ich werde weiter darüber nachdenken und ggf. jemanden zu Rate ziehen, der sich mit der Interpretation von Bibelstellen besser auskennt 🙂

Die Taufe war ein sehr schönes Ereignis! Nach der eigentlichen Taufe durfte man die bereitstehenden Bänke durch an der Seite vorbereitete Tische ergänzen und in der Günther-Klotz-Anlage picknicken. Das machten wir auch eine Weile, genossen selbstgebackene Muffins und Kuchen und das schöne Wetter, bevor wir dann zu Timms Großeltern zum Grillen eingeladen waren.

Ein sehr schönes Fest! Ich behalte es gern und gut in Erinnerung, und ich platze fast vor Stolz, dass ich Patentante bin 😀 Allein dieses Wissen hat mich schon völlig ausreichend beflügelt, immer weiter an diesem Taufkleid weiterzustricken. Es ist übrigens phantastisch geworden, ich bin ganz begeistert und stolz auf meine Arbeit. Hier habe ich zwei Fotos davon. Auf dem ersten sieht man es ausgebreitet auf dem Boden — hier ist das Muster besonders schön zu erkennen. Das zweite Bild ist leider ein bisschen unscharf, zeigt aber das Kleid in seiner ganzen Pracht, sprich nach dem Einziehen der grünen Bänder. Timm sah im Taufkleid wirklich hübsch aus, es passte hervorragend — darüber bin ich auch sehr froh. Er fand die grünen Bänder übrigens hochinteressant, was zur Folge hatte, dass am Ende der Taufe nur noch eines von vier grünen Bändern an den Ärmeln vorhanden war — Schleifen aufziehen ist doch einfach zu leicht 😉

das fertig gestrickte Taufkleid

das komplett fertige Taufkleid mit grünen Bändern

Ach, bevor ich es vergesse! Es gibt einen Bericht über das Tauffest auf der Homepage der Evangelischen Kirche Karlsruhe. Dort sind auch Bilder von „unserer“ Taufe zu sehen. Ich verlinke sie hier mal für euch:

Update 02.02.2015: Die Bilder der Taufe auf der Seite der evangelischen Kirche Karlsruhe waren zwischenzeitlich umgezogen. Jetzt stimmt der Link wieder und man kann sie auch hier wieder sehen 🙂

This entry was posted in Allgemein, Selbstgemachtes, Stricken and tagged , . Bookmark the permalink.

Kommentar verfassen